Samstag, 28. August 2010

Schon als ich in Deutschland war hatte ich die Idee einen Kurs über Deutschland in der INPRHU anzubieten. Die Deutschen die nach Nicaragua gehen haben eine gute Vorbereitung. Sie müssen viele Vorbereitungstreffen besuchen in denen sie aufgeklärt werden über Land und Leute, Kultur und Geschichte und viele andere Dinge die einen hier im Alltag in Nicaragua weiterhelfen. Aber die Nicaraguaner kriegen keine Vorbereitung. Sie werden ins kalte Wasser geschmissen und müssen mit deutschen Eigenschaften zurechtkommen und irgendwie versuchen unser Verhalten, was ihnen gewiss manchmal komisch vorkommt zu verstehen. Wenn ich also mit Leuten aus Condega gechattet habe, kam immer wieder das Tema der Unterschiede zwischen Deutschland und Nicaragua auf. Darum habe ich beschlossen diesen Kurs zu machen. Jeden Freitag um 9 Uhr treffen wir uns nun also in der INPRHU: 3 von 4 Kurse habe ich nun gehalten. Los ging es mit allgemeinen Informationen. Wo ist Deutschland überhaupt? Wie ist das Wetter dort? Was für Tiere und Pflanzen gibt es. Weiter ging es in der ersten Stunde mit Politik. Es ist gar nicht so einfach unser doch recht kompliziertes föderalistisches politisches System auf Spanisch zu erklären. Dann noch ein bisschen Wirtschaft. Deutsche Autos kannte übrigens jeder ;-) Die zweite Stunde ging die Geschichte Deutschlands. Wir diskutierten über den Nationalsozialismus und über den Mauerfall. Don Ermen berichtete über seinen Besuch und seinen Eindruck als er in Deutschland ein KZ besucht hat: „ Es ist ein beklemmendes Gefühl. Man denkt man würde nie wieder da raus kommen.“ Außerdem redeten wir über die Situation der Deutschen in Nicaragua während des Nationalsozialismus. Don Ermen berichtete, dass sie zuerst geduldet wurden. Dann aber weil Somoza mit den USA verbündet war, dass Land verlassen mussten. Diese Woche war Tema Kultur an der Reihe. Literatur, Musik, Film, Feste. Ich zeigte Videos vom Karneval und den Trailer aus Goodbye Lenin. Ich hoffe das ich noch einen deutschen Film kriege, den ich einen Abend hier in Condega präsentieren kann. An diesem Tag hat mir die Gruppenarbeit besonders gut gefallen. Zwei Gruppen sollten jeweils Anfangsszenen aus den Büchern „Der Vorleser“ und „Tintenherz“ vorspielen. Die dritte Gruppe machte eine Fotostory der Geburtsszene in „Das Parfum“.fotos folgen demnaechst :) Jedes mal serviere ich auch deutsches Essen. Es gab schon Vollkornbrot, was man hier so wie es das in Deutschland gibt nicht kennt aber auch nicht sonderlich mag. Der Pudding letze Woche stieß schon auf mehr Begeisterung und auch den Salat mit dem guten alten Knorr Dressing fanden alle lecker. Nächste Woche werde ich mich nun mit allen noch offenen Fragen beschäftigen. Mit dem Schulsystem, Essen und Trinken, die Situation von Frauen in Deutschland, Familie, Sport und viele andere Dinge.

Neues aus Condega

Klagten die Bauern letzes Jahr noch über Trockenheit und einer dadurch bedingten schlechten Ernte ist davon dieses Jahr nichts mehr zu hören. Es regnet jeden Tag: Morgens ist es Sonnig und manchmal unerträglich heiß aber schon ab 12 bedeckt sich der Himmel und ab 5 muss man mit Regen rechnen. Es ziehen schwarze Wolken auf und in der Ferne sieht man Blitze und hört das Donnern. Die Vorboten eines herannahenden Unwetters. Die Brücken zu den Gemeinden Condegas sind teilweise nicht mehr passierbar. Um nach Yali zu kommen mit dem Bus muss man aussteigen und über die Hängebrücke gehen. Auf der anderen Seite steigt man dann in einen anderen Bus, da die Brücke für Autos nicht passierbar ist momentan. In Ducuale habe ich mit Arbeitern gesprochen die eine Nacht dort bleiben mussten. Weil der Wasserspiegel im Fluss angestiegen ist und sie deswegen nicht zurück kamen. Auch wenn es in Condega nicht regnet kann dies passieren. Regen in Somoto, Ocotal oder Esteli sorgt dafür das der Wasserpegel steigt und die Brücken unpassierbar werden. Regelmäßig kommen Manuel und Daniel nun nass aus den Gemeinden, wo sie unterrichten. Sei es wegen starken Regen oder weil sie über eine überflutete Brücke gehen mussten. Wie schon gesagt viel letzes Jahr die Ernte schlecht aus, wegen der Trockenheit. Dieses Jahr gibt es nun das gegenteilige Problem. Die Ernte wurde von vielem Regen zerstört. Die Bohnen und der Mais die geerntet werden sind schlecht. Deswegen wird in naher Zukunft der Preis dieser Nahrungsmittel ansteigen. Dies wird besonders stark die ärmeren Familien treffen. Da Mais und Bohnen neben Reis hier zu den Grundnahrungsmitteln gehören. Aus Mais wird die Tortilla gemacht. Die es hier zu jeder Mahlzeit gibt: Ein Pfannkuchen aus Maismasse und Wasser. Dazu gibt es Gallo Pinto: Reis mit Bohnen. Diese Lebensmittel sind Bestandteil JEDER Mahlzeit hier: Frühstück, Mittagessen und Abendbrot.
Nun möchte ich euch noch von einem total schönen Erlebnis hier erzählen. Immer wenn ich gefragt werde was ich an Nicaragua so mag, sage ich die Gastfreundschaft, die Freundlichkeit, Fröhlichkeit und Offenheit der Menschen. Mir viel es schwer konkrete Situationen zu nennen. Die Häuser hier stehen immer offen. Man ist immer Willkommen und wird immer freundlich begrüßt.
Letzte Woche in San Ramon hatte ich ein Erlebnis, was diese Freundlichkeit noch mal bestätigt. Einmal die Woche fahre ich nach San Ramon um dort mit den Kindern zu spielen. Die Kinder dort haben mich gebeten diese Arbeit die Julia dort angefangen hat fortzuführen, da Donnerstags dort kein INPRHU-Kurs stattfindet. Wir spielten und malten 2 Stunden und als die Wolken immer dunkler wurden, sagte ich zu den Kindern, dass ich wohl besser gehen würde, bevor der Regen anfinge. Natürlich erwischte mich der Regen genau an der Straße an der ich auf den Bus wartete. Kein Schutz vor Regen weit und Breit. Wie immer in solchen Situationen lies der Bus auf sich warten. Es kamen noch mehrere andere Personen, die natürlich schlauer waren als ich und einen Regenschirm dabei hatten. Ein anscheinend auch auf den Bus wartendes Mädchen bot mir an mich mit unter ihren Schirm zu stellen. Ich war sehr Dankbar. Sie hielt den Schirm mehr über mich als über sich selber, so das ich einigermaßen trocken blieb, sie aber nass wurde. Wir unterhielten uns ein bisschen und nach 10 Minuten kam endlich der Bus. Ich ging nach vorne um den Bus heranzuwinken und dachte auch sie würde einsteigen. Aber sie verabschiedete sich und ging zurück in ihr Haus. Sie war also nur rausgekommen um mir Schutz vor dem Regen zu bieten. Ich dachte mir sowas würd in Deutschland auch nicht passieren. Das jemand fremdes aus dem Haus kommt um einem den Regenschirm zu halten. Jetzt wisst ihr also warum ich dieses Land so liebe. Wegen alltäglichen Situationen die hier passieren, in denen die Nicaraguaner ihre unendliche Freundlichkeit und Fröhlichkeit beweisen.

Samstag, 14. August 2010

El Mojon und Tanzen






Am Donnerstag war ich in Mojon. Das ist eine Gemeinde recht weit außerhalb von Condega. Ich weiß nicht genau wie lange wir gebraucht haben aber 45 min. waren es bestimmt. Und wenn ich eben gesagt hatte, die Straße nach Ducuale wäre schlecht, dann ist das verglichen mit der Straße nach el Mojon eine Lüge. Die Straße gleicht eher einem Flussbett, überall sind große Steine und tiefe Spurrillen von den Fahrzeugen. Man muss also immer aufpassen wo man gerade gut fahren kann ohne hinzufallen. Dazu kommt noch das es die ganze zeit Berg auf und ab geht. Es gleicht also eher einer Mountainbike strecke als einer gutbefahrbaren Fahrradtour. Bergab ist übrigens schlimmer als Bergauf, da Nicaraguanische Fahrräder glaub ich grundsätzlich kaputte Bremsen haben und ich immer Angst hatte bei dem nächsten Stein über den Lenker zu fliegen. Ich war echt froh als ich angekommen war und brauchte erstmal ein bisschen Pause um mich zu erholen. Dort angekommen, waren die Lehrerinnen die uns die Schule aufschließen sollten schon weg. Also mussten wir uns einen anderen Ort suchen. Yaoska schüttete mit einem Eimer wasser in ein Gebäude, damit es nicht so staubt, um dort ihren Tanzunterricht zu machen. Strom gab es dort nicht, also stellten wir den MP3 Player mit kleinen Lautsprecherboxen auf. Manuel setzte sich mit seinen Schülern an eine Art Brunnen und malte dort mit ihnen: Mit Wasserfarbe eine Landschaft, aber nur mit einer Farbe malen. Also viel Wasser und wenig Wasser bzw. viel oder wenig Farbe verwenden um die verschiedenen Schattierungen zu malen. Später sind wir mit den Tanzkindern dann noch in ein anders Haus umgezogen, wo es Strom gab. Dort habe ich dann auch mitgetanzt. Ich kann übrigens nicht tanzen aber egal, es macht Spaß. Nach einem Lied viel dann der Strom aus. Wir überlegten noch eine Dinamica (ein kleines Spiel) zu machen, aber dann kamen die Mal-Kinder und fragten ob wir Fußball spielen wollten. So spielten wir noch Fußball. Ich wusste nicht wer alles in meinem Team ist. Aber irgendwie hat es doch geklappt und wir haben 4:1 gewonnen (nicht unbedingt mir zu verdanken ;-)
Um 5 sah es dann ganz schön nach Regen aus und wir machten uns schnell auf den weg nach Condega.
Abends hatten wir dann noch Tanzkurs für die Mitarbeiter der INPRHU in Condega. Es war ganz gut mal die Schritte gezeigt zu kriegen. Da ich sonst einfach in der Disco geguckt habe, was die anderen so machen und nachgetanzt habe. Dazu muss man sagen das man in Lateinamerika in der Disco IMMER als Pärchen tanzt. In den Discos läuft viel Bachata und Raggaeton manchmal auch Salsa und Cumbia, daher ist es eigentlich Pflicht tanzen zu können. Bachata würde ich mal behaupten kann ich einigermaßen. Salsa wird da schon schwieriger. Da verknoten sich meine Füße schon mal und am schlimmsten ist Palo mayo – Das ist mehr so alle Körperteile gleichzeitig zur typisch-karibischen Musik schütteln. Es macht auf jeden Fall total spaß zu tanzen und auch wenn ich niemals wie die Nicas tanzen können werde, gebe ich nicht auf ;)

Ja ich weiß, ich bin schreibfaul…



Aber es gibt auch einfach so viel zu tun momentan. Letze Woche war ich fast jeden Tag mit Daniel in den Gemeinden. Dort haben wir die neuen Flöten präsentiert und ausprobiert, Auch die anderen Instrumente haben wir gezeigt und erklärt. Eine Melodika zum Beispiel hatte in Condega noch niemand gesehen. Als wir nach Ducuale fuhren (ca. 20 min. mit Fahrrad von Condega) hat es geregnet. Erst nur ein bisschen und dann immer mehr (Regenzeit halt) Ich hatte mir noch ne Regenjacke ausgeliehen, aber blöd war es trotzdem, da in Ducuale momentan die Schule renoviert wird und wir deswegen auf dem Sportplatz unterrichten mussten. Der Sportplatz hat natürlich kein Dach. Als der Regen anfing mussten wir also irgendwo unterschlupf suchen und übten auf einer Überdachten Terasse weiter. Da wir mit dem Fahrrad unterwegs waren wurden Daniel und ich auf dem Rückweg natürlich gut durchnässt – Trotz Regenjacke – die bringt nämlich bei richtigem Nica-Regen gar nichts. Nass werden ist aber nicht so schlimm. Ich bin ja nicht aus Zucker und es ist nicht kalt hier. Aber es gibt auch keine richtigen Straßen, geteert ist hier nur die Panamericana, die Straße die einmal ganz durch Amerika führt. Naja ich hatte mir blöderweise eine beige Hose angezogen. Die war nach meinem Besuch in Ducuale eher Braun, also Schlammbraun. In Deutschland kein Problem: Waschmaschine auf – rein damit – eine Stunde warten – und die Hose ist wie neu. Hier ist das anders. Wir haben zwar eine Waschmaschine bei uns. Was schon sehr unnormal ist, aber man kann diese nicht vergleichen mit der die ihr zu Hause stehen habt. Es ist mehr so eine Wanne in die man Wasser füllt und die sich dann dreht. Kaltes Wasser natürlich, warmes Wasser aus der Leitung gibt es ja nicht. Sauber ist die Kleidung nach dem bisschen rumgeschläuder dann nicht. Also ist Handwäsche angesagt. An sich auch nicht so schlimm. Also schon nervig weil man früh aufstehen muss. Nachmittags ist es nämlich zu warm. Aber die Ducuale-Hose war echt eine Herausforderung. Naja nun genug vom Wäschewaschen. Gibt auch interessantere Themen – traurige Themen zum Beispiel:
Abschiede
Montag Nacht sind Maria, Julia und Kamilo gefahren. Auch ein Grund warum ich nicht so oft geschrieben habe. Die letzen 2 gemeinsamen Wochen in Nicaragua mussten wir doch ausnutzen. Abschied nehmen ist schwer. Und noch schwerer ist es, wenn man nicht weiß wann man sich wieder sehen wird. Da habe ich dieses mal einen Vorteil. Ich werde die drei schon in drei Wochen wiedersehen. Auch wenn dieses andererseits den Abschied und Ungewissheit über das nächste Wiedersehen von hier bedeutet, aber daran will ich noch gar nicht denken.
Anderes Thema also aus meinem Leben in Condega. Gestern gab es den ganzen Tag kein Strom und kein Wasser. Es ist normal hier das es manchmal ausfällt, aber den ganzen Tag ohne Strom ist auch für hier nichts normales. Die Arbeit in der INPRHU stand quasi still. Die Kurse in den Gemeinden fanden natürlich statt aber alles was an den Computern gemacht werden sollte, musste auf den nächsten Tag verschoben werden. So haben wir Gesellschaftsspiele gespielt und Musik gemacht. Erst um 5pm kam der Strom wieder, so dass auch der Tanzkurs später anfangen musste. (Musik geht ja auch nur mit Strom) Und unser Tanzkurs, für die Mitarbeiter, der eigentlich anfangen sollte, musste auch auf den nächsten Tag verschoben werden. Auch meinen Kurs über Deutschland den ich Freitag gehalten hab, konnte ich nicht vorbereiten. Das musste ich dann alles heute morgen machen. Aber es ist auch eine gute Erfahrung zu wissen, dass man auch mal einen Tag ohne Strom auskommt, und wenn man wie hier auf Wasserausfall vorbereitet ist, ist das auch nicht schlimm. Man duscht halt mit einer Schüssel. Also eigentlich kein Problem, hier zumindestens - in Deutschland wär wahrscheinlich die Welt untergegangen bei einem Tag ohne Strom und fließend Wasser.