
Eine Tasse Kaffee am Morgen und nachmittags im Bistro an der Uni noch mal eine. In der Klausurphase vervielfacht sich die Menge dann nochmal um einiges. Das hinter meinem Kaffeegenuss mehr Arbeit steckt als einfach nur die Kaffeemaschine anzustellen, habe ich am letzen Samstag am eigenen Leib erfahren.

Am Samstag fuhr ich mit Franzi nach Venecia. Venecia ist eine Gemeinde von Condega die ca. 1.5 Stunden vom Zentrum entfernt liegt. Ein Bus fährt nur zweimal am Tag. Darum hieß es dann auch früh aufstehen. Um 5.30 Uhr machten wir uns auf den Weg, damit wir um pünktlich um 7 Uhr mit der Arbeit zu beginnen. Auch Daniel (ein Arbeitskollege von mir aus der INPRHU), sein Bruder und sein Vater stiegen etwas später in den Bus ein. In Venecia angekommen mussten wir noch ein Stück gehen um zur „Kaffeeplantage“ zu kommen. Es war ein ganz schön steiler Weg und Franzi und ich waren aufgrund Schuhmangels nur mit Chucks ausgestattet. Dies wurd mir auch gleich zum Verhängnis und ich landete im Matsch. Endlich unten angekommen ging es gleich wieder Bergauf; Kaffee wächst an steilen, kühlen und feuchten Berghängen! Wir banden uns Körbe um die Hüften und auf gings zu den Kaffeepflanzen. Wir ernteten alles ab: grüne und rote Früchte; das Stück Land von Daniels Familie ist recht klein und darum würde es sich nicht lohnen nur die roten Früchte zu ernten. Man müsste zu oft den weiten Weg nach Venecia auf sich nehmen, da immer nur ein paar Früchte pro Pflanze reif werden. Also wurd einfach alles geerntet was wir an den Sträuchern/Bäumen fanden und in Säcken gesammelt.
Nach der Mittagspause mussten wir dann die grünen von den roten Früchten sortieren. Die roten mussten nämlich noch in einer Art Mühle von der Schale befreit werden, da von diesen nur die Kaffeebohne getrocknet wird. Die grünen werden so wie sie sind getrocknet dann leicht angeröstet und dadurch geht die Schale ab. Wir kamen auf jeden Fall richtig in Stress weil wir bis 4 Uhr fertig sein mussten um den Bus nicht zu verpassen. Im Endeffekt hatten wir uns ganz umsonst so beeilt. Der Bus kam nämlich zu spät und wir warteten noch fast eine Stunde mit 1,5 gefüllten Säcken voller, noch ungetrockneter, Kaffeebohnen. Daniels Familie wird noch 3 mal nach Venecia fahren müssen bis alles abgeerntet ist. Danach haben sie so viel Kaffee, dass es für die Familie für ein Jahr reicht.
Meinen morgendlichen Kaffee werde ich jetzt auf jeden Fall bewusster trinken.
Es steckt schon harte Arbeit hinter einer Tasse Kaffee!

















