„Von Hexen und verrückten Kühen“ lautet der Titel eines
Dokumentarfilms über ein Frauenradio in Nicaragua.
| Im Aufnahmestudio der Radio-Hexe |
Diesen Film, über eine
Radiosendung bei der Männer namentlich genannt werden, die ihre Frauen
misshandeln, haben wir in der
Vorbereitung für unseren Auslandsaufenthalt gesehen. Den Namen des kleinen
Dorfes von dem der Film handelt hatte ich schon längst vergessen, als Maria,
eine Spanierin die auch in Condega arbeitet, mich fragte ob ich mit ihr ein
Radioprojekt in der Atlantikregion des Landes besuchen wollte. So rechnete ich
auch nicht damit zu der Radiostation der berühmten „Radio-Hexe“ aus Bocana de
Paiwas zu kommen. Aber genau dort fuhren wir dieses Wochenende hin. Nachdem wir
uns in Managua mit Duyerling getroffen hatten, die in eben diesem Radio eine
Radio-Novela mit Jugendlichen aufnahm, mussten wir noch 5 Stunden mit dem Bus nach Rio Blanco
fahren und von da aus noch eine halbe Stunde im Auto weiter. Dementsprechend
kaputt kamen wir in dem kleinen und ruhigen Dorf an. Am nächsten Tag trafen wir
uns mit den Jugendlichen der Radio-Novela und diese zeigten uns erst einmal das
Gebäude von „palabra de la mujer“ (Wort
der Frau), das mir schon aus dem oben genannten Dokumentarfilm bekannt vor
kam.
| Radio "Wort der Frau" |
Die „Radio-Hexe“ in der es dort
allerdings geht ist nicht mehr in Bocana de Paiwas sondern arbeitet nun in
Spanien, die Sendung gibt es aber trotzdem noch jeden Morgen um 5 Uhr. Es gibt aber nicht nur das Radio, das ganze
hängt mit einem Frauenprojekt, „Casa de la mujer“ (Haus der Frau) zusammen. Sie
helfen den Frauen, wenn sie zur Polizei gehen wollen um zum Beispiel ihren Mann
anzuzeigen und sorgen dafür dass die Fälle auch bis zum Ende verfolgt werden.
Außerdem geben sie in den umliegenden Gemeinden Infoveranstaltungen zu Themen
wie Menschenrechte und Geschlechtskrankheiten.
| Bei den Aufnahmen der Novela |
Im Oktober 2011 machten sie zum ersten Mal eine Radio-Novela in der
nicht nur Frauenthemen sondern auch allgemeine soziale Probleme angesprochen
werden. Da diese Novela so viele positive Rückmeldungen bekommen hatte und die Bewohner
Paiwas nach einer Fortsetzung fragten wurde das Projekt weiter gemacht. Das
Drehbuch schreiben die Jugendlichen selbst. Inspiriert werden sie dabei von
reellen Personen aus ihrem Umfeld, die Namen ändern sie dabei natürlich um.
Trotzdem hat dies auch schon einmal zu Stress geführt. Ein Bewohner Paiwas
hatte sich belästigt gefühlt weil sein Name für einen besonders schlimmen Macho
benutzt wurde, auch wenn er gar nicht gemeint war, versicherte uns Rosa, eine
der Darstellerinnen. Die Raido-Novela
bei deren Aufnahmen wir dabei waren handelt von einem 14 Jährigem Mädchen
welches an einen schon älteren Mann verheiratet werden soll. „Dies ist hier auf
dem Land immer noch ein Problem“, berichten uns die Teilnehmer. Zwar ist eine
Hochzeit in dem Alter auch in Nicaragua verboten, das hindert die Männer aber
nicht daran Mädchen, mit Erlaubnis der Eltern, mit auf ihre Finca zu nehmen.
Duyerling die als Radio-Journalistin in Managua arbeitet
unterstützt die Aufnahmen mit voller Kraft. Sie verbessert die Aussprache und
sorgt dafür, dass die Darsteller in genau dem richtigen Ton ins Mikrofon
sprechen. Abends berichtete sie uns über ihre Arbeit als Journalistin in
Nicaragua. Sie aufgrund ihrer Arbeit schon viel erlebt. Einmal kauften sie
verdeckt Drogen um über den Konsum in der Hauptstadt zu berichten. Ein anderes
Mal fuhren sie nach Granada um dort über Kinderprostitution zu
regergieren. Ein bis zwei Mal im Monat
fährt sie also den weiten Weg nach Bocana de Paiwas um dort im Radioprojekt zu
helfen und auch wenn nicht alle Darsteller kommen oder der Strom aus fällt
bringt sie das nicht aus der Ruhe.

Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen