Dienstag, 8. Mai 2012

Zu Besuch bei der Radio-Hexe



„Von Hexen und verrückten Kühen“ lautet der Titel eines Dokumentarfilms über ein Frauenradio in Nicaragua. 
Im Aufnahmestudio der Radio-Hexe
Diesen Film, über eine Radiosendung bei der Männer namentlich genannt werden, die ihre Frauen misshandeln,  haben wir in der Vorbereitung für unseren Auslandsaufenthalt gesehen. Den Namen des kleinen Dorfes von dem der Film handelt hatte ich schon längst vergessen, als Maria, eine Spanierin die auch in Condega arbeitet, mich fragte ob ich mit ihr ein Radioprojekt in der Atlantikregion des Landes besuchen wollte. So rechnete ich auch nicht damit zu der Radiostation der berühmten „Radio-Hexe“ aus Bocana de Paiwas zu kommen. Aber genau dort fuhren wir dieses Wochenende hin. Nachdem wir uns in Managua mit Duyerling getroffen hatten, die in eben diesem Radio eine Radio-Novela mit Jugendlichen aufnahm, mussten wir  noch 5 Stunden mit dem Bus nach Rio Blanco fahren und von da aus noch eine halbe Stunde im Auto weiter. Dementsprechend kaputt kamen wir in dem kleinen und ruhigen Dorf an. Am nächsten Tag trafen wir uns mit den Jugendlichen der Radio-Novela und diese zeigten uns erst einmal das Gebäude von „palabra de la mujer“  (Wort der Frau), das mir schon aus dem oben genannten Dokumentarfilm bekannt vor kam.   
Radio "Wort der Frau"
Die „Radio-Hexe“ in der es dort allerdings geht ist nicht mehr in Bocana de Paiwas sondern arbeitet nun in Spanien, die Sendung gibt es aber trotzdem noch jeden Morgen um 5 Uhr.  Es gibt aber nicht nur das Radio, das ganze hängt mit einem Frauenprojekt, „Casa de la mujer“ (Haus der Frau) zusammen. Sie helfen den Frauen, wenn sie zur Polizei gehen wollen um zum Beispiel ihren Mann anzuzeigen und sorgen dafür dass die Fälle auch bis zum Ende verfolgt werden. Außerdem geben sie in den umliegenden Gemeinden Infoveranstaltungen zu Themen wie Menschenrechte und Geschlechtskrankheiten.   

Bei den Aufnahmen der Novela

Im Oktober 2011 machten sie zum ersten Mal eine Radio-Novela in der nicht nur Frauenthemen sondern auch allgemeine soziale Probleme angesprochen werden. Da diese Novela so viele positive Rückmeldungen bekommen hatte und die Bewohner Paiwas nach einer Fortsetzung fragten wurde das Projekt weiter gemacht. Das Drehbuch schreiben die Jugendlichen selbst. Inspiriert werden sie dabei von reellen Personen aus ihrem Umfeld, die Namen ändern sie dabei natürlich um. Trotzdem hat dies auch schon einmal zu Stress geführt. Ein Bewohner Paiwas hatte sich belästigt gefühlt weil sein Name für einen besonders schlimmen Macho benutzt wurde, auch wenn er gar nicht gemeint war, versicherte uns Rosa, eine der Darstellerinnen.  Die Raido-Novela bei deren Aufnahmen wir dabei waren handelt von einem 14 Jährigem Mädchen welches an einen schon älteren Mann verheiratet werden soll. „Dies ist hier auf dem Land immer noch ein Problem“, berichten uns die Teilnehmer. Zwar ist eine Hochzeit in dem Alter auch in Nicaragua verboten, das hindert die Männer aber nicht daran Mädchen, mit Erlaubnis der Eltern, mit auf ihre Finca zu nehmen.

Duyerling die als Radio-Journalistin in Managua arbeitet unterstützt die Aufnahmen mit voller Kraft. Sie verbessert die Aussprache und sorgt dafür, dass die Darsteller in genau dem richtigen Ton ins Mikrofon sprechen. Abends berichtete sie uns über ihre Arbeit als Journalistin in Nicaragua. Sie aufgrund ihrer Arbeit schon viel erlebt. Einmal kauften sie verdeckt Drogen um über den Konsum in der Hauptstadt zu berichten. Ein anderes Mal fuhren sie nach Granada um dort über Kinderprostitution zu regergieren.  Ein bis zwei Mal im Monat fährt sie also den weiten Weg nach Bocana de Paiwas um dort im Radioprojekt zu helfen und auch wenn nicht alle Darsteller kommen oder der Strom aus fällt bringt sie das nicht aus der Ruhe.

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