Dienstag, 3. Juli 2012
Festival infantil - Kinderfestival
| Tanzgruppe: La Fraternidad |
Im Juni wird in Nicaragua nicht nur Vatertag sondern auch
der Tag des Kindes gefeiert. Dieser ist offiziell schon am ersten Juni, aber
inoffiziell steht zumindest in der INPRHU der ganze Monat Juni unter dem Motto „Monat
des Kindes“. Zum Tag des Kindes erinnern die nicaraguanischen Kinder, wie in der
ganzen Welt an ihre Rechte, wie zum Beispiel Bildung und ein gewaltfreies Leben. Traditionell
veranstaltet die INPRHU dazu eine Demonstration. Auf Grund der diesjährigen
unberechenbaren Wetterverhältnisse (es regnet unüblicher Weise schon morgens)
musste der Straßenumzug dieses Jahr leider ausfallen und es wurde nur in der
überdachten Sporthalle gefeiert. Am Abend vorher trugen wir viele Banner und
Luftballons, Blumen etc. zum Dekorieren an den Veranstaltungsort. Wir hatten
sogar doppelt Glück: Erstens weil eigentlich Fußballspiele sein sollten und wir
erst um 10 Uhr abends hätten anfangen können mit dem Aufbau, diese dann aber
ausfielen weil, zweitens noch eine Bühne aufgebaut war, die wir dann auch
mitbenutzen konnten. So wurde uns eine
lange Nacht erspart und wir konnten am
nächsten Morgen ausgeschlafen mit dem Festival beginnen.
| Beim Schminken der Kinder |
Mali (eine Engläderin die auch in der INPRHU arbeitet) und ich waren vor
dem eigentlichen Start der Veranstaltung dran die Kinder zu Schminken. Im Akkord malten wir
Blumen, Schmetterlinge, Spidermans und Piraten. Am Ende fehlte leider die Zeit alle Kinder anzumalen und ein paar Kinder beschwerten sich, dass sie nicht an die Reihe gekommen waren. Aber um 10 Uhr fingen wir mit der Veranstaltung an und ein Schminken während dessen wäre zu chaotisch geworden.
Die
Verschiedenen Schulen und Organisationen Condegas hatten alle etwas vorbereitet.
Es gab klassische und moderne Tänze, es wurde gesungen, Gedichte vorgetragen
und bei einer Verlosung konnten die Kinder tolle Preise gewinnen. Der Höhepunkt
der Veranstaltung war die Tanzaufführung der Marista Schule die einen
Breakdance aufführten (Ich werde versuchen ein Video davon hoch zu laden).
| Ich mit dem enano capezón |
Auch
der Tanz der Riesin (la gigantona) und
des Großkopfzwerges (enano cabezón) durften natürlich nicht fehlen. Diese
beiden Figuren, die von verkleideten Menschen gespielt werden, berufen sich auf
die Kolonialisierung Nicaraguas. Die „Gigantona“ repräsentiert dabei auf
satirische Art und Weise die spanische Frau, wobei vor Allem ihre Schönheit,
Statur und die Weiße haut im Vordergrund steht. Der „Indio“ der diese tanzen
lässt, und damit seine Überlegenheit darstellt, wird von dem „Enano cabezon“
repräsentiert: ein kleiner Mann aber mit viel Gehirn (darum der große Kopf). (Quelle: http://www.manfut.org/leyendas/gigantona.html)
Gegen Mittag wurden noch die letzen Geschenke verlost und
wir mussten die Sporthalle nur noch aufräumen und so verabschiedeten wir mit einem
großen Spektakel den Monat des Kindes, Juni.
Dienstag, 8. Mai 2012
Zu Besuch bei der Radio-Hexe
„Von Hexen und verrückten Kühen“ lautet der Titel eines
Dokumentarfilms über ein Frauenradio in Nicaragua.
| Im Aufnahmestudio der Radio-Hexe |
Diesen Film, über eine
Radiosendung bei der Männer namentlich genannt werden, die ihre Frauen
misshandeln, haben wir in der
Vorbereitung für unseren Auslandsaufenthalt gesehen. Den Namen des kleinen
Dorfes von dem der Film handelt hatte ich schon längst vergessen, als Maria,
eine Spanierin die auch in Condega arbeitet, mich fragte ob ich mit ihr ein
Radioprojekt in der Atlantikregion des Landes besuchen wollte. So rechnete ich
auch nicht damit zu der Radiostation der berühmten „Radio-Hexe“ aus Bocana de
Paiwas zu kommen. Aber genau dort fuhren wir dieses Wochenende hin. Nachdem wir
uns in Managua mit Duyerling getroffen hatten, die in eben diesem Radio eine
Radio-Novela mit Jugendlichen aufnahm, mussten wir noch 5 Stunden mit dem Bus nach Rio Blanco
fahren und von da aus noch eine halbe Stunde im Auto weiter. Dementsprechend
kaputt kamen wir in dem kleinen und ruhigen Dorf an. Am nächsten Tag trafen wir
uns mit den Jugendlichen der Radio-Novela und diese zeigten uns erst einmal das
Gebäude von „palabra de la mujer“ (Wort
der Frau), das mir schon aus dem oben genannten Dokumentarfilm bekannt vor
kam.
| Radio "Wort der Frau" |
Die „Radio-Hexe“ in der es dort
allerdings geht ist nicht mehr in Bocana de Paiwas sondern arbeitet nun in
Spanien, die Sendung gibt es aber trotzdem noch jeden Morgen um 5 Uhr. Es gibt aber nicht nur das Radio, das ganze
hängt mit einem Frauenprojekt, „Casa de la mujer“ (Haus der Frau) zusammen. Sie
helfen den Frauen, wenn sie zur Polizei gehen wollen um zum Beispiel ihren Mann
anzuzeigen und sorgen dafür dass die Fälle auch bis zum Ende verfolgt werden.
Außerdem geben sie in den umliegenden Gemeinden Infoveranstaltungen zu Themen
wie Menschenrechte und Geschlechtskrankheiten.
| Bei den Aufnahmen der Novela |
Im Oktober 2011 machten sie zum ersten Mal eine Radio-Novela in der
nicht nur Frauenthemen sondern auch allgemeine soziale Probleme angesprochen
werden. Da diese Novela so viele positive Rückmeldungen bekommen hatte und die Bewohner
Paiwas nach einer Fortsetzung fragten wurde das Projekt weiter gemacht. Das
Drehbuch schreiben die Jugendlichen selbst. Inspiriert werden sie dabei von
reellen Personen aus ihrem Umfeld, die Namen ändern sie dabei natürlich um.
Trotzdem hat dies auch schon einmal zu Stress geführt. Ein Bewohner Paiwas
hatte sich belästigt gefühlt weil sein Name für einen besonders schlimmen Macho
benutzt wurde, auch wenn er gar nicht gemeint war, versicherte uns Rosa, eine
der Darstellerinnen. Die Raido-Novela
bei deren Aufnahmen wir dabei waren handelt von einem 14 Jährigem Mädchen
welches an einen schon älteren Mann verheiratet werden soll. „Dies ist hier auf
dem Land immer noch ein Problem“, berichten uns die Teilnehmer. Zwar ist eine
Hochzeit in dem Alter auch in Nicaragua verboten, das hindert die Männer aber
nicht daran Mädchen, mit Erlaubnis der Eltern, mit auf ihre Finca zu nehmen.
Duyerling die als Radio-Journalistin in Managua arbeitet
unterstützt die Aufnahmen mit voller Kraft. Sie verbessert die Aussprache und
sorgt dafür, dass die Darsteller in genau dem richtigen Ton ins Mikrofon
sprechen. Abends berichtete sie uns über ihre Arbeit als Journalistin in
Nicaragua. Sie aufgrund ihrer Arbeit schon viel erlebt. Einmal kauften sie
verdeckt Drogen um über den Konsum in der Hauptstadt zu berichten. Ein anderes
Mal fuhren sie nach Granada um dort über Kinderprostitution zu
regergieren. Ein bis zwei Mal im Monat
fährt sie also den weiten Weg nach Bocana de Paiwas um dort im Radioprojekt zu
helfen und auch wenn nicht alle Darsteller kommen oder der Strom aus fällt
bringt sie das nicht aus der Ruhe.
Mittwoch, 2. Mai 2012
Refresco de camote - Süßkartoffelmilch
Nach dem wir schon Rezepte wie Pfannkuchen,Omas Püfferchen, Plätzchen, Spanische Kartoffeltortilla oder panierte Kartoffeln in unserem Kinderkochkurs ausprobiert haben, gab es heute ein auch für mich neues und auf den ersten Blick etwas komisches Rezept: Süßkartoffelmilch oder Refresco de camote. Damit ihr euch selbst davon überzeugen könnt wie lecker es ist lade ich euch das Rezept hier hoch:
Zutaten:
2 Pfund Süßkartoffeln
2 Liter Milch
Wasser zum Kochen
Zucker, Zimt und Vanille nach Geschmack
Zubereitung:
Die Süßkartoffeln werden geschält und in heißem Wasser zusammen mit den Zimtschoten gekocht. Wenn sie weich sind werden sie vom Feuer genommen und man lässt sie etwas (in einer Schüssel im kalten Wasserbad) abkühlen. Danach werden sie mit einem Pürierstab oder im Mixer püriert. Unter rühren wird es nun der Milch zugefügt und danach nach Geschmack mit Zucker und ggf. Vanille gesüßt. Mit Eiswürfeln oder gut gekühlt echt lecker.
Probiert es aus – hätte ich selber auch nicht gedacht wie lecker das ist.
Zutaten:
2 Pfund Süßkartoffeln
2 Liter Milch
Wasser zum Kochen
Zucker, Zimt und Vanille nach Geschmack
Zubereitung:
Die Süßkartoffeln werden geschält und in heißem Wasser zusammen mit den Zimtschoten gekocht. Wenn sie weich sind werden sie vom Feuer genommen und man lässt sie etwas (in einer Schüssel im kalten Wasserbad) abkühlen. Danach werden sie mit einem Pürierstab oder im Mixer püriert. Unter rühren wird es nun der Milch zugefügt und danach nach Geschmack mit Zucker und ggf. Vanille gesüßt. Mit Eiswürfeln oder gut gekühlt echt lecker.
Probiert es aus – hätte ich selber auch nicht gedacht wie lecker das ist.
Donnerstag, 12. April 2012
Vom Höllenschlund ins Paradies…
… ging meine Reise in der Semana Santa (heilige Woche) vor Ostern.
Zusammen mit Max machten wir uns am Samstag, unseren ersten freien Tag, auf den Weg nach Masaya. Masaya ist eine Stadt in der Nähe von Managua die Berühmt ist für ihr Kunstgewerbe und für ihren Vulkan. Da ich nun schon einige Male in Nicaragua war und noch nie einen Vulkan von nahen gesehen hatte und dass obwohl das Land als Land der Vulkane und Seen bekannt ist, war es also Pflicht bei diesem Ausflug den berühmten Vulkan in Masaya zu besuchen. Dieser Vulkan ist auch als ein Eingang zur Hölle bekannt. Der beeindruckende Krater des aktiven Vulkans erklärt auch warum. So setzen die spanischen Eroberer im 16. Jahrhundert ein Kreuz an den Rand des Kraters um so den Teufel abzuwehren. Seinen letzen Ausbruch hatte er allerdings im Jahr 1772 (www.wikipedia.org). Der Masaya Vulkan ist der einzige Vulkan den man mit dem Auto befahren kann. Diese müssen aus Sicherheitsgründen allerdings immer mit dem Heck Richtung Krater, losfahrbereit, geparkt werden. Max und ich hatten bei unserem Ausflug doppelt Glück. Erstens: Sportlich wie wir sind wollten wir den Vulkan zu Fuß besteigen, nach einem Kilometer hielt allerdings ein Pärchen aus Managua an, welche uns in ihrem Auto mit nach oben nahm. So ersparten wir uns den 6 km langen weg in prallender Sonne.
Auch auf dem Rückweg hatten wir Glück und wurden mitgenommen. Zweitens: Durch Björn, einen Deutschen aus Iserlohn, den wir in unserem Hotel kennengelernt haben, erfuhren wir dass der Vulkan am nächsten Tag aus Sicherheitsgründen geschlossen war. Wir hatten also Glück überhaupt hinauffahren zu können. Am nächsten Tag gingen wir noch auf den berühmten Kunsthandwerksmarkt in Masaya und ich konnte mir eine neue Tasche kaufen, da meine kaputt gegangen war. .
Mittags nahmen wir dann den Bus Richtung Granada. Das dauert nur eine halbe Stunde und der Bus hat uns direkt am Park und somit an der schönen Kathedrale raus gelassen. Jetzt mussten wir nur noch eine Unterkunft finden.
Das erste Hostel an dem wir anfragten war voll aber gottseidank gab es nebenan noch Platz in einem der Schlafsäle. Abends guckten wir uns noch kurz den Park an hatten aber nach dem Besuch des Marktes in Masaya erst einmal genug von Kunsthandwerk. Den nächsten Tag nutzen wir dazu uns die Stadt anzuschauen. Wir bestiegen einen Kirchturm und konnten Granada so von oben bewundern. Danach gingen wir zum Hafen, wo die Schiffe zur Isla de Ometepe unser nächstes Reiseziel abfuhren. Mittags aßen wir bei Tio Antonio, der ein Restaurant hat welches von Taub-Stummen bedient wird. Außerdem gibt es dort eine Hängematten-Werkstatt und die größte Hängematte der Welt!? Dieses Projekt unterstützt so Menschen für die es schwerer ist einen Job hier zu bekommen. Nachmittags guckten wir uns weiter die Stadt an. Es gibt viele wunderschöne Häuser im Kolonialstiel und auch die Kathedrale ist sehr beeindruckend. Der Höhepunkt des Granadaaufenthalts war aber die Pizzeria die wir am Abend besuchten. Nach einem halben Jahr ohne Pizza war die Pizza die wir in einem kubanischen Restaurant aßen einfach nur köstlich.
Am nächsten Tag, von der Hitze in Granada geplättet, machten wir gar nichts mehr. Wir mussten sowieso um 11 Uhr den Bus nehmen um nach Rivas zu kommen von wo wir weiter zur Isla de Ometepe fahren wollten. Der Bus den wir erwischten war unglaublich voll, so dass wir 1,5 Stunden schwitzend aneinandergepresst mit lauter Turis verbrachten. Am Busterminal in Rivas wurden wir erst einmal von einem Busfahrer verarscht. Er versicherte uns direkt zum Boot zu bringen welches sofort abfahren würde, wofür wir ein kleines Vermögen bezahlen mussten. Das Boot war dann schon weg als wir am Hafen ankamen und wir mussten noch mehr als eine Stunde auf das nächste warten. Wir hätten also ganz ruhig einen Bus oder ein billigeres Taxi nehmen könnten. Aber dann machten wir und endlich auf den weg und setzen über den Nicaraguasee, in welchem die Isla de Ometepe liegt. Das besondere an dieser Insel ist, dass sie aus zwei Vulkanen besteht: Concepción, der größere Vulkan ist sogar noch aktiv. Maderas: der kleinere Vulkan ist nicht mehr aktiv und hat eine Lagune im Krater. Da wir uns keinen genauen Plan gemacht hatten welche Orte wir besuchen wollten blieben wir die erste Nacht in Moyogalpa der größten Stadt der Insel, um uns etwas zu orientieren.
Dort landeten wir in einem kleinen Hippie-Hostal, welches von französischen Aussteigern geleitet wurde; ein sehr entspannter Ort mit Hängematten, bunten Tüchern, Affen und Rehen. Alles in allem ein sehr ruhiges und schönes Örtchen, welches ich falls ich noch einmal auf die Insel komme, auf jeden Fall noch einmal besuchen werde. Dort planten wir auch am nächsten Tag Richtung Vulkan Maderas aufzubrechen. Wir gingen zur berühmten Finca Magdalena um am nächsten Tag an einer Vulkan-Tour teilzunehmen. Um 7:30 trafen wir uns mit unserem Guía der uns auf den Berg begleitete. Der Aufstieg fing vielversprechend an. Wir stiegen ein paar Treppenstufen hoch und machten halt an einem Petroghttp://www.blogger.com/img/blank.giflyph den die Maya hinterlassen hatten. Wir freuten uns schon über den leichten Aufstieg und gingen munter drauf los. Ungefähr nach einer Stunde wurde der weg etwas schwieriger. Es ging etwas steiler bergauf und man musste etwas klettern. Ein wunderschöner Aussichtspunkt belohnte aber den bisherigen Aufstieg. Dort ahnten wir noch nicht dass es danach erst richtig los gehen sollte. Übermutig fragte ich den Guía ob wir nun schon die Hälfte hätten. Dieser lachte nur. Doofe Frage! Der weg wurde nun immer steiler und die Steine immer glitschiger. Es hatte die Nacht vorher geregnet und vor uns waren schon einige Gruppen hochgegangen, die den weg schlammig und glitschig hinterlassen hatten. Irgendwann konnte man den Aufstieg mehr als klettern als, als wandern bezeichnen. Ich hatte so langsam keine Lust mehr. Aber es fehlte immer noch eine Stunde an denen man sich an Wurzen hochziehen und Felsen überwinden musste. Der Anfang des Weges war trügerisch und ich hatte meine Ausdauer überschätzt. Als wir endlich an der Kraterspitze ankamen, fehlte noch das schlimmste: der Abstieg in den Krater. Der Weg hinunter war noch steiler und noch glitschiger als der Weg zu vor und ich rutschte mehr ins Ziel als alles andere. Belohnt wurde das ganze Gekrakzel mit der Lagune in mitten des Kraters.
Leider war es mehr ein Schlammloch als ein See, was Max der sich mutig ins Wasser stürzte am eigenen Leib erfahren durfte. Der Schlamm war von einer 10cm Wasserschicht bedeckt, so dass man ihn erst wahrnahm wenn man tatsächlich ins Wasser watete. Ich begnügte mich damit mich einfach nur hinzulegen und vom Aufstieg zu erholen. Ich war mir schließlich genau bewusst, dass der Abstieg noch auf mich wartete. Berg runter ging es dann erstaunlich gut. Der weg war immer noch glitschig und Max legte sich einige Male auf die Schnauze was bei den anderen für Belustigung sorgte, aber ich kam langsam aber sicher hinunter. Am Ende zitterten meine Beine aber ganz schön und die letzen Meter hatte ich das Gefühl das sie mich keinen Meter weit mehr tragen wollen. 
Ich kam trotzdem schlammig aber glücklich wieder in der Finca Magdalena an, wo ich mich mit einem frischen Mango-Saft belohnte. Am nächsten Tag war Erholung angesagt und Abends wurden wir noch mit einem wunderschönen Sonnenuntergang belohnt.anach war unser Urlaub auch leider schon wieder vorbei.
Dienstag, 10. Januar 2012
Kaffeeernte

Eine Tasse Kaffee am Morgen und nachmittags im Bistro an der Uni noch mal eine. In der Klausurphase vervielfacht sich die Menge dann nochmal um einiges. Das hinter meinem Kaffeegenuss mehr Arbeit steckt als einfach nur die Kaffeemaschine anzustellen, habe ich am letzen Samstag am eigenen Leib erfahren.

Am Samstag fuhr ich mit Franzi nach Venecia. Venecia ist eine Gemeinde von Condega die ca. 1.5 Stunden vom Zentrum entfernt liegt. Ein Bus fährt nur zweimal am Tag. Darum hieß es dann auch früh aufstehen. Um 5.30 Uhr machten wir uns auf den Weg, damit wir um pünktlich um 7 Uhr mit der Arbeit zu beginnen. Auch Daniel (ein Arbeitskollege von mir aus der INPRHU), sein Bruder und sein Vater stiegen etwas später in den Bus ein. In Venecia angekommen mussten wir noch ein Stück gehen um zur „Kaffeeplantage“ zu kommen. Es war ein ganz schön steiler Weg und Franzi und ich waren aufgrund Schuhmangels nur mit Chucks ausgestattet. Dies wurd mir auch gleich zum Verhängnis und ich landete im Matsch. Endlich unten angekommen ging es gleich wieder Bergauf; Kaffee wächst an steilen, kühlen und feuchten Berghängen! Wir banden uns Körbe um die Hüften und auf gings zu den Kaffeepflanzen. Wir ernteten alles ab: grüne und rote Früchte; das Stück Land von Daniels Familie ist recht klein und darum würde es sich nicht lohnen nur die roten Früchte zu ernten. Man müsste zu oft den weiten Weg nach Venecia auf sich nehmen, da immer nur ein paar Früchte pro Pflanze reif werden. Also wurd einfach alles geerntet was wir an den Sträuchern/Bäumen fanden und in Säcken gesammelt.
Nach der Mittagspause mussten wir dann die grünen von den roten Früchten sortieren. Die roten mussten nämlich noch in einer Art Mühle von der Schale befreit werden, da von diesen nur die Kaffeebohne getrocknet wird. Die grünen werden so wie sie sind getrocknet dann leicht angeröstet und dadurch geht die Schale ab. Wir kamen auf jeden Fall richtig in Stress weil wir bis 4 Uhr fertig sein mussten um den Bus nicht zu verpassen. Im Endeffekt hatten wir uns ganz umsonst so beeilt. Der Bus kam nämlich zu spät und wir warteten noch fast eine Stunde mit 1,5 gefüllten Säcken voller, noch ungetrockneter, Kaffeebohnen. Daniels Familie wird noch 3 mal nach Venecia fahren müssen bis alles abgeerntet ist. Danach haben sie so viel Kaffee, dass es für die Familie für ein Jahr reicht.
Meinen morgendlichen Kaffee werde ich jetzt auf jeden Fall bewusster trinken.
Es steckt schon harte Arbeit hinter einer Tasse Kaffee!

Donnerstag, 5. Januar 2012
Weihnachten und Silvester
Und schon ist 2012 und ich bin echt schon 4 Monate hier. Jetzt kann ich auch sagen: Dieses Jahr sehen wir uns wieder! Aber erst einmal werde ich davon berichten wie ich Weihnachten und Silvester in Nicaragua verbracht habe.

Weihnachten war eigentlich ein Tag wie jeder andere. Es war warm wie immer, so dass kaum an Weihnachten gedacht werden konnte. Das beste war eigentlich dass ich Besuch aus Deutschland von Franzi meiner Schwester bekommen hatte. Gemeinsam packten wir am 24 die Geschenke ein die sie größtenteils (auf meine Bestellung) aus Deutschland mitgebracht hatte. Meine Gastschwester Darling verbrachte den gesamten Tag damit Essen, für geschätzte 20 Leute zu kochen. Franzi und ich gingen Abends noch zu meiner früheren Gastmutter Doña Eva und brachten ihr etwas Schokolade vorbei. Sie freute ich sehr meine kleine Schwester kennen zu lernen. Als wir dann wieder nach Hause kamen war Darling alleine zu Hause. Meine Gastmutter und Dariel (Darlings Sohn) waren zu einem anderen Teil der Familie gefahren. Darling wollte gerne ins Las Vegas gehen. Da Franzi aber immer noch Jetlag geplagt war und auch ich wenig Lust hatte den 24 schon vor der Bescherung in der Disko bei Raggaeton und Ranchera zu verbringen, blieben wir zu hause. Auch Darling fühlte sich dadurch verpflichtet zuhause zu bleiben hatte aber den Rest des Abends bis zur Bescherung schlechte Laune und verbrachte die Zeit mit ihrem Handy. Später kam noch eine Freundin mit ihrem Kind vorbei, welches seine ersten Weihnachten verbringen würde. Hier ist es üblich sich für Weihnachten komplett neu einzukleiden (was „estrenar“ genannt wird) So erschien auch das Baby in einem neuen rotem Kleid und auch Darling machte sich schon Wochen vor Weihnachten Gedanken darüber was sie anziehen würde. Ich beschloss diesem Brauch nicht mitzumachen, da ich einfach keinen Bock hatte nochmal shoppen zu gehen freute mich aber dass Franzi meine schwarze Jeans im Gepäck hatte, die bei mir leider nicht mehr in den Koffer gepasst hatte. Das ist ja dann quasi auch neu, für hier ;-) Vllt. Zählt es ja ein bisschen als „estrenar“. Diana und ihr Kind mussten aber leider früh nach Hause, weil die Kleine in meinem Bett einfach nicht einschlafen wollte. Als dann um 11 endlich Dariel und Rosita wiederkamen war doch noch ein bisschen mehr Stimmung bei uns zu Hause und auch Jay und Hilde kamen vorbei. Bis Mitternacht mussten wir aber noch aushalten bis es die Geschenke geben würde. Danach ging jeder einzeln nach vorne und verteilte seine Geschenke. Ich und Franzi bekamen viel Schmuck und auch Geschenke von meinen Eltern und meinem Freund aus Deutschland waren dabei. Am schönsten war aber ein lila-kitschiges Kuscheltier von Dariel mit einem Herz in der Hand auf dem „me gustas tu“ (du gefällst mir) steht. Den Rest des Abends verbrachten wir dann damit Mensch ärger dich nicht zu spielen und gingen irgendwann vollgefressen (es waren nämlich keine 20 Leute gekommen und deswegen gab es mehr als genug Essen für alle) ins Bett. Ach und jetzt hätte ich fast das schöne Feuerwerk um Mitternacht vergessen. Das gehört hier zu Weihnachten genauso wie zu Silvester!



Silvester
Auch Silvester ist hier in Nicaragua eher ein Familienfest. Fast noch mehr als Weihnachten. Nachdem ich den ganzen Nachmittag damit verbracht hatte einen „Viejo“ , also einen Alten, zu basteln und Böller zu kaufen, machten wir uns Abends alle fertig um zu Juani, der Tochter von Rosita, zu fahren. Dort spielten wir „Amigo secreto“ (geheimer Freund), also Wichteln. Eine Woche vorher hatten wir die Namen aller (anwesenden) Familienmitglieder auf Zettelchen geschrieben und Geschenke überlegt. Nach dem Ninosca (auch Familie, aber fragt mich nicht über die Art der Verwandtschaft) 1,5 Stunden zu spät kam konnten wir auch endlich mit der Übergabe der Geschenke beginnen. Ich bekam einen Stiftehalter in der Form Nicaraguas von Rosmary, der kleinen Tochter von Juani und auch Franzi bekam ein Geschenk von ihr. Danach war ich dran und übergab mein Geschenk an Eliud dem Sohn von Juani. So ging es immer weiter bis die Kette bei Juani und Ninosca stoppte die sich gegenseitig hatten und auch Moises und Dariel beschenkten sich gegenseitig. Später wurde gegessen und es wurden noch einige Böller und Wunderkerzen angezündet bis wir um 11 nach Hause gingen, wo der „Viejo“ auf uns wartete. Viejos zu machen ist ein Brauch hier. Es werden (eigentlich schon ein paar Tage vor dem 31, aber ich war etwas spät dran) Puppen gebaut. Sie Kriegen alte Kleidung an und werden mit Papier und Böllern gefüllt. Das Gesicht ist eine Fratze auf Pappe gemalt und ein Hut und eine alte Rumflasche dürfen auch nicht fehlen. Am 31 gibt es in Condega auch einen Wettbewerb um den besten Viejo, den ich natürlich mit meiner Puppe gewonnen hätte, hätte ich mitgemacht. Die Viejos werden den ganzen Silvesterabend an die Straße gesetzt, unserer da wir nicht zu Hause wahren erst ab 11. Die Leute die vorbekamen machten Fotos, steckten ihm die Zunge raus und setzen sich auf seinen Schoß. Mein armer Viejo musste schon vor 12 Uhr einiges mitmachen. Um kurz vor zwölf, war sein Stündchen dann fast geschlagen. Er wurde auf die Straße gelegt und konnte seine letzen Minuten noch einmal die Wolken betrachten, 2012 würde er aber nicht erleben. Als nur noch eine Minute bis zum neuen Jahr fehlte zündete Calu ihn nämlich an und in einem großen Knallkonzert verabschiedete sich der Viejo und damit auch das Jahr 2011 von uns. Nachdem Calu und Dariel noch vier Böller aus seinem Socken retten konnten, die nass geworden waren und deswegen nicht gezündet hatten, aßen wir gemeinsam ein zweites mal Abendbrot und wünschten uns ein feliz año nuevo.
Franzi hat übrigens den Start ins Jahr 2012 verschlafen ;)
Und um euch ein bisschen neidisch zu machen: Die Zeit zwischen den Feiertagen haben wir in der Nähe von León am Strand verbracht :-P
Und nun auch an euch (wenn auch etwas spät) von mir:
Ein frohes neues Jahr 2012!!!

Weihnachten war eigentlich ein Tag wie jeder andere. Es war warm wie immer, so dass kaum an Weihnachten gedacht werden konnte. Das beste war eigentlich dass ich Besuch aus Deutschland von Franzi meiner Schwester bekommen hatte. Gemeinsam packten wir am 24 die Geschenke ein die sie größtenteils (auf meine Bestellung) aus Deutschland mitgebracht hatte. Meine Gastschwester Darling verbrachte den gesamten Tag damit Essen, für geschätzte 20 Leute zu kochen. Franzi und ich gingen Abends noch zu meiner früheren Gastmutter Doña Eva und brachten ihr etwas Schokolade vorbei. Sie freute ich sehr meine kleine Schwester kennen zu lernen. Als wir dann wieder nach Hause kamen war Darling alleine zu Hause. Meine Gastmutter und Dariel (Darlings Sohn) waren zu einem anderen Teil der Familie gefahren. Darling wollte gerne ins Las Vegas gehen. Da Franzi aber immer noch Jetlag geplagt war und auch ich wenig Lust hatte den 24 schon vor der Bescherung in der Disko bei Raggaeton und Ranchera zu verbringen, blieben wir zu hause. Auch Darling fühlte sich dadurch verpflichtet zuhause zu bleiben hatte aber den Rest des Abends bis zur Bescherung schlechte Laune und verbrachte die Zeit mit ihrem Handy. Später kam noch eine Freundin mit ihrem Kind vorbei, welches seine ersten Weihnachten verbringen würde. Hier ist es üblich sich für Weihnachten komplett neu einzukleiden (was „estrenar“ genannt wird) So erschien auch das Baby in einem neuen rotem Kleid und auch Darling machte sich schon Wochen vor Weihnachten Gedanken darüber was sie anziehen würde. Ich beschloss diesem Brauch nicht mitzumachen, da ich einfach keinen Bock hatte nochmal shoppen zu gehen freute mich aber dass Franzi meine schwarze Jeans im Gepäck hatte, die bei mir leider nicht mehr in den Koffer gepasst hatte. Das ist ja dann quasi auch neu, für hier ;-) Vllt. Zählt es ja ein bisschen als „estrenar“. Diana und ihr Kind mussten aber leider früh nach Hause, weil die Kleine in meinem Bett einfach nicht einschlafen wollte. Als dann um 11 endlich Dariel und Rosita wiederkamen war doch noch ein bisschen mehr Stimmung bei uns zu Hause und auch Jay und Hilde kamen vorbei. Bis Mitternacht mussten wir aber noch aushalten bis es die Geschenke geben würde. Danach ging jeder einzeln nach vorne und verteilte seine Geschenke. Ich und Franzi bekamen viel Schmuck und auch Geschenke von meinen Eltern und meinem Freund aus Deutschland waren dabei. Am schönsten war aber ein lila-kitschiges Kuscheltier von Dariel mit einem Herz in der Hand auf dem „me gustas tu“ (du gefällst mir) steht. Den Rest des Abends verbrachten wir dann damit Mensch ärger dich nicht zu spielen und gingen irgendwann vollgefressen (es waren nämlich keine 20 Leute gekommen und deswegen gab es mehr als genug Essen für alle) ins Bett. Ach und jetzt hätte ich fast das schöne Feuerwerk um Mitternacht vergessen. Das gehört hier zu Weihnachten genauso wie zu Silvester!



Silvester
Auch Silvester ist hier in Nicaragua eher ein Familienfest. Fast noch mehr als Weihnachten. Nachdem ich den ganzen Nachmittag damit verbracht hatte einen „Viejo“ , also einen Alten, zu basteln und Böller zu kaufen, machten wir uns Abends alle fertig um zu Juani, der Tochter von Rosita, zu fahren. Dort spielten wir „Amigo secreto“ (geheimer Freund), also Wichteln. Eine Woche vorher hatten wir die Namen aller (anwesenden) Familienmitglieder auf Zettelchen geschrieben und Geschenke überlegt. Nach dem Ninosca (auch Familie, aber fragt mich nicht über die Art der Verwandtschaft) 1,5 Stunden zu spät kam konnten wir auch endlich mit der Übergabe der Geschenke beginnen. Ich bekam einen Stiftehalter in der Form Nicaraguas von Rosmary, der kleinen Tochter von Juani und auch Franzi bekam ein Geschenk von ihr. Danach war ich dran und übergab mein Geschenk an Eliud dem Sohn von Juani. So ging es immer weiter bis die Kette bei Juani und Ninosca stoppte die sich gegenseitig hatten und auch Moises und Dariel beschenkten sich gegenseitig. Später wurde gegessen und es wurden noch einige Böller und Wunderkerzen angezündet bis wir um 11 nach Hause gingen, wo der „Viejo“ auf uns wartete. Viejos zu machen ist ein Brauch hier. Es werden (eigentlich schon ein paar Tage vor dem 31, aber ich war etwas spät dran) Puppen gebaut. Sie Kriegen alte Kleidung an und werden mit Papier und Böllern gefüllt. Das Gesicht ist eine Fratze auf Pappe gemalt und ein Hut und eine alte Rumflasche dürfen auch nicht fehlen. Am 31 gibt es in Condega auch einen Wettbewerb um den besten Viejo, den ich natürlich mit meiner Puppe gewonnen hätte, hätte ich mitgemacht. Die Viejos werden den ganzen Silvesterabend an die Straße gesetzt, unserer da wir nicht zu Hause wahren erst ab 11. Die Leute die vorbekamen machten Fotos, steckten ihm die Zunge raus und setzen sich auf seinen Schoß. Mein armer Viejo musste schon vor 12 Uhr einiges mitmachen. Um kurz vor zwölf, war sein Stündchen dann fast geschlagen. Er wurde auf die Straße gelegt und konnte seine letzen Minuten noch einmal die Wolken betrachten, 2012 würde er aber nicht erleben. Als nur noch eine Minute bis zum neuen Jahr fehlte zündete Calu ihn nämlich an und in einem großen Knallkonzert verabschiedete sich der Viejo und damit auch das Jahr 2011 von uns. Nachdem Calu und Dariel noch vier Böller aus seinem Socken retten konnten, die nass geworden waren und deswegen nicht gezündet hatten, aßen wir gemeinsam ein zweites mal Abendbrot und wünschten uns ein feliz año nuevo.
Franzi hat übrigens den Start ins Jahr 2012 verschlafen ;)
Und um euch ein bisschen neidisch zu machen: Die Zeit zwischen den Feiertagen haben wir in der Nähe von León am Strand verbracht :-P
Und nun auch an euch (wenn auch etwas spät) von mir:
Ein frohes neues Jahr 2012!!!
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